Life

Meine künstliche Befruchtung

Lasst es mich gleich sagen – die Reaktionen auf meinen letzten Post haben mich umgehaut. Es kamen so viele emotionale Nachrichten, dass ich es noch gar nicht geschafft habe, sie alle zu beantworten. So viele von euch teilen meine  Meinung, waren unterstützend, aufbauend und haben mir ihre eigenen, teils sehr heftigen Storys geschildert. Ich kann nicht oft genug Danke sagen, für all die netten Worte, die mich erreicht haben. Ich bin tief berührt.

Dabei war es für mich in dem Moment, als ich auf Veröffentlichen klickte, gar nicht mehr so „nah“, lag der Text doch schon wochenlang in meinen Entwürfen. Wie ihr wisst, habe ich bereits im Oktober mit meiner Reise begonnen, und nun kann ich einen Bericht zu meiner ersten ICSI abliefern.

 

Das tägliche Übel

 

Nach einigen gynäkologischen und urologischen Untersuchungen sind mein Mann und ich auf mehrere medizinische Hindernisse gestoßen. Manche davon konnten über die Jahre und Monate mit Änderungen im Lebenswandel ausgeräumt werden, schlussendlich gab es jedoch immer noch medizinische Indikatoren, die eine spontane Schwangerschaft unmöglich gemacht haben. Im Oktober letzten Jahres wandten wir uns an eine Kinderwunschklinik in Salzburg.

Unterstützt vom IVF-Fonds kann man sich dort als Paar einer Befruchtungsbehandlung unterziehen. Trotzdem bleibt immer noch ein Selbstbehalt übrig, der inklusive aller Medikamente, Blutuntersuchungen und Transfers bei uns etwa 2000€ pro Versuch betragen hat. Vier Versuche werden vom Fonds unterstützt, aber dann müssen die Kosten zur Gänze privat getragen werden. Das hat mir gezeigt, dass Kinderkriegen von Beginn an eine Kostenfrage ist. Wir sind in der glücklichen Lage, den Selbstbehalt bezahlen zu können, für schlechter verdienende Familien ist jeder Versuch eine finanzielle Belastung. Neben einer ICSI gibt es noch weitere Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung: eine Insemination etwa, oder die klassische IVF. Über diese Varianten kann man sich meist bei Infoabenden direkt in der Klinik informieren.

 

 

Für unseren Fall blieb nur eine Variante der künstlichen Befruchtung, ICSI übrig. Bei der Intracytoplasmatischen Spermien Injektion wird eine Samenzelle direkt in die Eizelle injiziert. Da pro Monat nur eine Eizelle im Körper einer Frau reift, musste ich mich vorher einer Hormonbehandlung unterziehen, in der so viele Follikel wie möglich reif wurden (ich glaube, bei mir waren es 11). Im Laufe dieser Hormonellen Stimulation habe ich mir wahre Heerscharen an Injektionen spritzen und Medikamente einnehmen müssen. Hormonpflaster, Hormontabletten, Hormonspritzen –  you name it – und meine Eierstöcke wurden alle paar Tage mit Ultraschall untersucht.

 

Aufwachen aus der Narkose nach der Punktion

 

Nach ca. drei Wochen wurde die Follikelpunktion durchgeführt: in Vollnarkose wurde eine Nadel durch die Scheide eingeführt, die durch meine Gebärmutter stieß, um aus den Eierstöcken die Eibläschen zu saugen. In diese wurde anschließend eine Samenzelle injiziert und 5 Tage lang zur Reifung gebracht. Von Natur aus entwicklen sich nicht aus allen befruchteten Eizellen Embryos – nur durchschnittlich ein Drittel entwicket sich zu Blastozyten weiter, die eine Chance haben, sich im Uterus weiterzuentwickeln. Pro Versuch einer ICSI liegt die Geburtenrate übrigens bei 15-20% – eine relativ überschaubare Chance.

So eine Hormon-Keule hinterlässt natürlich seine Spuren. Meine Eierstöcke schwollen stark an, was mich aufgedunsen und dick wirken ließ. Ich durfte keine zu raschen Bewegungen machen, um eine Eierstocktorsion zu verhindern. Durchfall und Darmprobleme, die bis heute andauern, traten bei mir auf, außerdem eine vernichtende Müdigkeit aufgrund des hohen Östrogenpegels und schwere Stimmungsschwankungen. Ansonsten verlief die Behandlung, auch das Einführen des befruchteten Eis, relativ schmerzfrei.

Und nun hieß es warten – volle zwei Wochen lang, um zu schauen, ob sich der kleine Zellhaufen gut genug festgehalten hatte und sich weiterentwickelte. Wie das von statten ging, erzähle ich euch im nächsten Post.