Life

Was wirklich mit mir los ist

Diesen Text zu beginnen, fällt mir extrem schwer. Mir fällt einfach keine Einleitung, kein Ansatzpunkt ein, der auf das hinführen soll, worum es hier gehen soll. Mein Kopf springt von einem Satz zum anderen, kann Dinge nicht zusammenfassen, keine Struktur in das Chaos bringen. Dieses Thema ist für mich mit so viel Emotion verbunden, dass der Text immer eine Spur unzusammenhängend wirkt.

 

künstliche Befruchtung

 

In meinem letzten Life Update habt ihr mitbekommen, dass ich gerade gesundheitlich unter einigem Stress stehe. Viele haben eine Krankheit vermutet, mir gute Besserung und alles Gute gewünscht. Dabei hat mein Unwohlsein mit einem anderen Grund zu tun, auch wenn er körperlich ist: Seit Oktober unterziehe ich mich einer ICSI-Behandlung, einer künstlichen Befruchtung. Warum? Natürlich, weil ich ein Kind will. Schon seit vielen Jahren haben mein Mann und ich den Wunsch, ein Kind zu bekommen. Nur sehr, sehr wenigen Menschen haben wir davon erzählt, dass wir Schwierigkeiten haben und nichts passiert. Trotzdem wurde ich in diesen Jahren ständig von irgendwelchen Menschen gefragt, wann ich denn endlich ein Baby bekäme. „Wann ist es denn bei dir soweit?“ Von losen Bekanntschaften, Freunden meiner Eltern, Nachbarn, sogar Kooperationspartnern.

Unbedarft wird man das gefragt, so als allgemeines Konversationsthema, als ginge es ums Wetter. Jedes Mal wieder traf mich die Frage wie ein Schlag in die Magengrube. Nett lächeln, „Ach, das überlegen wir uns noch“ sagen und das Thema rasch ändern. Weil, die Wahrheit zu sagen, das hab ich mich nie getraut: Dass mich diese Frage extrem schmerzt und fertig macht, dass ich sehr wohl gerne ein Kind hätte, es aber nicht funktioniert – und was zum Teufel sie das überhaupt angeht.

 

 

Ich schreibe deswegen mehrere Beiträge über dieses Thema, weil mir aufgefallen ist, dass Unfruchtbarkeit und künstliche Befruchtung ein Tabuthema sind, über das kaum jemand spricht. Außer in einschlägigen Foren. Es ist verständlich: Ob im Internet oder im echten Leben, ständig wird man nur mit vor Glück triefenden Instagrambeiträgen, Fotos und herzigen Schwangeren konfrontiert. Über Belastungen, Handicaps und Erschwernisse wird nicht gesprochen.

Dabei wurde mir während meiner Behandlung klar, welches Ausmaß an Normalität diese Verfahren schon erreicht haben. In Salzburg alleine bieten drei Zentren diese Dienste an, und in den Wartezimmern ist immer viel los. Denn die Fruchtbarkeit ging besonders bei Männern in den westlichen Industrienationen in den letzten Jahrzenten rapide zurück, bedingt durch Toxine in der Umwelt und die Lebensgewohnheiten der Menschen. Außerdem entschließen sich immer mehr Paare spät zu einem Kinderwunsch – oft zu spät. In den kommenden Jahren werden also immer mehr Menschen die Dienste von Kinderwunschkliniken in Anspruch nehmen müssen.

Ich trete nun genau deswegen dieses Thema auf meinem Blog breit, weil ich euch einerseits an meinem Leben teilhaben lassen, andererseits den Menschen die Scham nehmen möchte, die dieses Thema umgibt. Dabei sind Probleme mit der Fertilität nichts, wofür man sich schämen müsste. Andere Menschen haben Asthma, Nierensteine oder Allergien – seine medizinischen Einschränkungen sucht man sich schließlich nicht aus.

 

 

 

In den nächsten Wochen möchte ich euch deswegen davon erzählen, wie es mir im Verlauf der künstlichen Befruchtung ergangen ist, was passiert ist, welche Herausforderungen sich mir stellten und wo ich momentan stehe.