Die Welt, Food

Ausflugstipp: Der Windbeutelbaron

Es gibt ja relativ wenige Lokalitäten, die so negativ konotiert sind wie der Obersalzberg. Und wenn einem nun jemand diesen berühmt-berüchtigten Ort als famoses Ausflugsziel samt konditorischen Meisterleistungen nahe legt, dann möchte man wohl zuallererst die Augenbraue tadelnd hochziehen.

Jetzt ist es gerade aber so, dass ich mich momentan nicht weiter als eine halbe Stunde von unserem Zuhause entfernen möchte. Zwei Wochen vor dem Entbindungstermin wird keiner müde, einem nahezulegen, „dass es ja jetzt jeden Moment losgehen kann“. Und Berchtesgaden liegt quasi vor der Salzburger Haustür, und in weniger als dreißig Minuten bin ich von meiner aus im Naturidyll mit Bergkulisse.

 

 

Ein Idyll, Hitler so schön fand, dass er hier seinen zweiten Regierungssitz erbauen ließ. Und ich will euch nun in dem Zusammenhang etwas von Windbeuteln erzählen? Auch wenn mir das im ersten Moment extrem geschmacklos und schäbig vorkam, halte ich es mit dem ehemaligen Landrat Karl Theodor Jacob, der da meinte: „Ich habe immer wieder gesagt, da schenken wir Münchner Hofbräubier aus, und da kommt schon keine weihevolle Stimmung auf.“ Und wenn es heute um einen Lokaltipp mit Kuchen in einer wunderschönen Naturgegend in meiner unmittelbaren Umgebung geht, dann lege ich trotzdem vehement jedem Obersalzbergbesucher (300.000 pro Jahr!) einen Besuch im dortigen Dokumentationszentrum nahe, um sich über den Ort und seine Geschichte zu informieren. Nicht nur die Natur genießen, sondern uns mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen ist nämlich Pflicht.

 

 

Und nun zu den oberflächlichen Dingen: Ich wollte den klassischen sonntäglichen Naturausflug inklusive Kuchen unternehmen und recherchierte, was man in Berchtesgaden denn so an mehlspeisentauglichen Cafés anbietet. Und da stach mir das Gasthaus auf der Graflhöhe ins Auge, das unter dem Beinamen Windbeutelbaron ebendiese in rauhen Mengen verkauft. Nach Berliner Geheimrezept gefertigt, mit klingenden Bergnamen versehen und selbst schon von Thomas Müller höchstpersönlich verkostet  (das weiß ich dank der vielen Fotos, die im Steigenhaus zum Klo hängen).

Beim Windbeutelbaron bekommt man Windbeutel serviert, die größer sind als mein Kopf. Üppig türmen sich Brandteig und fluffige Mengen an Schlagobers auf, die wahlweise mit verschiedenen Eissorten, Früchtespiegeln oder Likör daherkommen. Auch pikante Varianten mit Nürnberger Rostbratwürsten, Sauerkraut oder Schinken gibt es. Ich empfehle: ein Windbeutel reicht für zwei Personen als Dessert vollkommen aus, zur Hauptspeise schafft man vielleicht schon mal einen ganzen.

Satt machen die Dinger auf jeden Fall, und von der Terrasse aus hat man eine wunderbare Aussicht auf Jenner, Untersberg und Co. Wer die Kalorien sofort abtrainieren möchte, wandert von hier aus übrigens in knapp anderthalb Stunden zum Königsee – oder besteigt einen der andere dutzenden Gipfel.

 

Windbeutelbaron