Fashion

Trauriger Kleiderschrank?

Kennt ihr das, wenn ihr kurz nicht so brav hinter der Schmutzwäsche her seid als sonst und schwupps, hat das dreckige Gwand Oberhand gewonnen und sämtliche Ecken des Schlafzimmers erobert? Plötzlich quillt die Wäschetonne über, die Körbe mit ungebügelter und nicht zusammengelegter Kleidung stapeln sich und der Kasten sieht aus wie ein Schlachtfeld.

So geschehen ist das bei mir in der letzen Woche. Der Kurzurlaub in Grado hat mir ein klein wenig das Genick gebrochen und plötzlich sah mein Fußboden aus wie der Boden an einem Einkaufssamstag bei Primark und die Kleider stapelten sich bereits auf der Kommode, auf der sie gar nichts verloren haben.

 

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Es wurde also wieder mal Zeit, zu waschen, zusammenzulegen und einzuräumen. Doch halt – der ganze Kleiderschrank folgte keinen Regeln mehr. Er schrie geradezu nach einer Generalüberholung. Denn ich habe mehrere Probleme:

Ich habe ein Sockenproblem. Mein Mann wird nicht müde, mich darauf hinzuweisen, dass man unansehnliche oder löchrige Socken wegschmeißen muss. Und ich? Bringe das irgendwie nicht übers Herz. Weil nur wegen eines Lochs an der Ferse kann ich ja trotzdem… Und nur, weil die weißen Socken inzwischen graubeigelila sind, kann ich sie ja immer noch… Nein, kann ich nicht. Ich habe meine Socken durchgesehen und rigoros aussortiert. Knapp die Hälfte blieb übrig.

 

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Und dann gibt es noch so Dinge, die sich im Kleiderschrank befinden und eigentlich keine Aufenthaltsgenehmigung mehr haben. Schwangerschaftshosen etwa. Sie sind extrem bequem, aber wir wissen ja, was Karl Lagerfeld so über bequeme Hosen sagt. Die ganze Umstandskleidung wurde von mir ausgeräumt und wird wohl demnächst auf willhaben oder dem nächsten Kinderbazar landen. Genauso wie die Sommerkleidung, die ebenfalls noch en masse im Schrank vertreten war. Diese darf während der kalten Monate wieder in eine Kiste in den Keller ziehen.

 

 

Und dann hab ich noch ein Problem mit meinem Kleiderschrank: Ich will nicht mehr soviel über die Fetzen darin nachdenken. Im Moment gibt es – vielleicht nur in der Bloggerwelte und gar nicht im echten Leben? – zwei Extreme. Die Capsule-Wardrobe-Minimalisten und die Fashionblogger. Bei ersteren muss alles fein kuratiert und farblich aufeinander abgestimmt sein und zweitere behaupten zwar überwiegend, in klassische Teile zu investieren und nicht jedem Trend hinterherzulaufen. Trotzdem sehe ich Palazzopants, Rüschenbikinis und Bakerboy-Hüte: lauter Zeug, das nächste Saison vermutlich schon wieder passé ist. Ich mag das alles mittlerweile nicht mehr. Mir gefällt so wenig, wenn ich einkaufen gehe. Es ist alles zu trendig, zu ramschig und zu fad. Deswegen lerne ich gerade zu akzeptieren, dass mein Stil momentan weder besonders geschmackvoll, ekklektisch oder duchgängig ist. Mit diesem Wissen fällt das Aufräumen gar nicht schwer. Passt es? Ist es weder fleckig noch kaputt? Es bleibt. Und das, was bleibt, ist zur Zeit irgendwie recht wenig. Es darf gerne wieder mal mehr werden. Wenn mich was anlacht, wenn es gute Qualität ist und wenn ich mich mir darin gefalle.

 

Wie geht es euch so mit dem ganzen Getue um ausgewählte Garderobe, Trends oder pinterestige Kleideraufbewahrung und wie sieht der Alltag in euren Kleiderschränken aus?