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Bin ich zu hässlich für meinen Blog?

Leute, ich verstehe Instagram nicht mehr. Seit April 2012 verwende ich die App nun bereits – weil ich auf diese Weise sehe, was meine Bekannten und Lieblingsblogger gerade treiben, was sie auf ihrem Frühstücksteller liegen haben oder um einfach nur dazu um gepflegt meinem Voyeurismus zu frönen.
Ich scrolle wahnsinnig gerne und beinahe im Stundentakt durch die abonnierten Feeds, bloß: das Hochladen eigener Bilder macht mir immer schwerer zu schaffen.

 

Ich kenne die gängigen Tipps und Tricks:

 

  • Habe einen durchgängigen Feed.
  • Verwende immer den gleichen Filter.
  • Poste Selfies.
  • Und fotografiere verdammt noch mal viel Avocadotoast!

 

Und trotz des Wissens und der Anwendung dieser hochheiligen Prinzipien wächst mein Kanal nur in Babyschritten. Andere Kanäle hingegen wachsen rasant – und das organisch! Dabei beschleicht mich das Gefühl, alles verschwimmt zunehmen. Die Flatlays werden immer ähnlicher, die Farbschemata werden immer ähnlicher, die Avocadotoasts (schuldig im Sinne der Anklage!) werden immer ähnlicher– und auch die Menschen (Frauen) ähneln einander immer mehr.

 

Alle schauen sie mittlerweile gleich perfekt aus. Und das setzt den Rest der (Blogger-)Welt zunehmend unter Druck. Marketingromantisch gesprochen bekommt man ständig auf die Nase gebunden, dass mit Influencern gerne „echte“, nahbare Menschen mit Ecken und Kanten von Marken gebucht werden und dass diese Authentizität ihr Trumpf sei. Doch dann scrolle ich durch meinen Feed und suche diese Ecken und Kannten vergeblich. Meist sehe ich bestaussehendste, wunderschöne und schlanke Frauen mit gebräunter Haut, durchtrainiertem Body, Zahnpastalächeln und glänzender Wallemähne, die Shampooflaschen, Fitness-Shakes und Designerhandtaschen in die Höhe halten.

 

Und selbst diese Wallemähne folgt einem gewissen Standard, der nicht meinem Lockenkopf ähnelt: Es müssen in sanfte Wellen gelegte, glänzende Locken sein, die mindestens 5 cm über zierliche Schultern fallen, damit das Selbstbild im Account dem Instagram-Standard genügt.

Was Teil dieses Problems ist? Der Eindruck, der in Medien von sogenannten „Influencern“ vermittelt wird, ist untrennbar damit verbunden, dass diese automatisch gut aussehen und den beschriebenen Typus verkörpern. Und das ist für einen großen Teil von Leuten, die im Digitalen tolle, wertvolle Arbeit machen, nicht repräsentativ. Und damit wächst der Druck, als Rechtfertigung des eigenen Tuns und teilweise Berufs ebenso aussehen zu müssen.

 

Man fühlt sich selbst als gestandene Frau, die sich von so Kinderkram eigentlich nicht beeindrucken lassen will, sehr unter Druck gesetzt, sich aussehenstechnisch zu verändern, sich zu bräunen und den Mund auf jedem Selfie lasziv leicht geöffnet zu lassen, um nur irgendwie mitzuhalten.
Instagram selbst belohnt dieses Schema F über die Maßen – und Follower auf Instagram sind im Blogger-Business mittlerweile die wichtigste Währung. Blog-Leser oder inhaltliche Qualität werden im Vergleich sekundär. Züchtet sich unsere Branche damit eine Monokultur aus Druck und Scheinauthentizität heran, bis sie sich selbst ad absurdum führt?

 

Scheitere ich als Bloggerin, die Instagram verwendet, daran dass meine Locken zu wild, mein Lachen zu schief, meine Taille über 60 cm breit ist und ich damit für den gemeinen Instagram-Follower nicht gut genug, nicht erwartungsgemäß aussehe? Will der Instagram-Follower diese vielzitierte Authentizität überhaupt sehen? Und wollen sich Marken von dieser überhaupt repräsentieren lassen?

Folgende Fragen drängen sich mir auf:

  1. Bin ich zu schwach und nicht genug im meiner Persönlichkeit gefestigt, weil ich diesen Perfektionismuszwang wahrnehme und überlege, mich danach zu richten?
  2. Ist es ein hauptsächlich Neid und das Gefühl, nicht dazuzugehören, was in mir spüre?
  3. Und: bin ich zu arrogant und anti-feministisch, weil ich hier über die Optik hunderter Frauen schimpfe?

 

Mich würde eure Meinung dazu interessieren. (Und ein bisschen Angst hab ich grad auch, dass mich ein Shitstorm trifft.)

Passend dazu: Report über die Auswirkungen von Social Media auf Jugendliche

Disclaimer: Alle Bilder via unsplash.com – Name des Fotografen in der Datei.