Life, Österreich

Schikaneder – Ein Mädelswochenende in Wien

(Werbung) Die Gute Güte hat mich letzte Woche gefragt, ob ich nicht mit ihr nach Wien fahren wolle – sie hätte da etwas für mich, den alten Muscial-Afficionado. Schikaneder, das neue Stück im Raimundtheater, über die turbulente Liebesgeschichte hinter der Zauberflöte würde gespielt werden und ich wäre als Freundin des gepflegten Musiktheaters wohl genau die richtige Begleitung für sie. Und weil ich erstens liebenswerten Einladungen gerne folge und zweitens wirklich ein Faible für Musicals habe, habe ich mich nicht lange breitschlagen lassen und zugesagt.

Mit extrem leichtem Gepäck (alles – inkusive Laptop – hatte in meinem kuperfarbenen Turnbeutel Platz, Sommertemperaturen sei Dank) stiegen wir Samstag Mittag im Salzburger Hauptbahnhof in die Westbahn und klappten unsere jeweiligen Laptops auf, um uns die ersten 30 min dezent anzuschweigen – schließlich wollten da noch eingie Emails beantwortet werden.

 

 

Wer mich kennt, ist sich meiner völligen Hilflosigkeit in dieser Großstadt bewusst – jedes einzelne Mal, wenn ich in Wien bin, laufe ich einfach meiner Begleitung großäugig hinterher und hoffe, dass sie mich wohlbehalten an meiner jeweiligen Destination ablädt. Bislang hat das mehr oder minder gut funktioniert, auch dieses Mal hat mich Caro gesund und in einem Teil in unser Hotel gebracht: das Falkensteiner Wien Magareten. Das gibt instagramtechnisch einiges her und hat mich nicht nur mit runden Kirstallleuchtern in der Lobby, sondern auch mit einer mintfarbenen Tapete und einem golden Samtbett auf der Stelle in den Bann gezogen.

 

Wir puderten uns die sonnenverbrannten und schweißglänzenden Näschen am Schminktisch des Zimmers (true story, das Zimmer hatte wirklich einen eigenen Schminkbereich mit Spiegel) und hasteten gleich weiter zum Raimundtheater, wo uns ein junger Herr namens Sebastian – dessen Begeisterung für das Theater und das Muscial meinige in den Schatten stellen sollte – mit offenen Armen empfing, um uns eine supergeheimebehindthescenesspezialführung zu geben.

90% der Schüler Österreich sehen das Raimundtheater im Laufe ihrer obligatorischen Wienwoche von innen, und ich bilde da keine Ausnahme. Ich bilde mir ein, im Jahre Schnee das Muscial Hair gesehen zu haben und habe damals wohl weniger auf das Interieur als auf die Hippiesänger geachtet. Erst als ich bei diesem Besuch erfuhr, dass das Haus eben nicht als Amüsement für Adelige und Reiche erbaut wurde, sondern außerhalb der damaligen Innenstadt, jenseits der Wallgasse, als Haus für die normalen Bürger von einem Verein ins Leben gerufen wurde, fiel mir die Kargheit und der fehlende Prunk des Raimundtheaters auf.

 

 

Auch das Musical Schikaneder behandelt das Theater, sein Leben hinter den Kulissen und den Schein, den es uns vorgaukelt. Eleonore und Emanuel Schikaneder waren zeitlebens ein dramatisches Liebespaar, dass nicht mit und noch weniger ohne einander konnte. Die Begeisterung für die Musik und das Schauspiel begleiteten sie ein Leben lang, und fand in der Vertextung der Zauberflöte ihren Höhepunkt . Schikaneder, der als Papageno selbst in der Oper mitspielte, war zeitlebens nicht der treuste Ehemann – eine Tatsache, die im Stück durchaus hervorgestrichen wird und im Happy End des Musical eher augenzwinkernd frei ausgelegt wird.

 

 

Nach unserer Führung und einem kleinen Treffen mit Freunden nahmen wir am Abend in den roten Samtsesseln Platz um uns Schikander endlich live anzusehen. Nebst umwerfenden Kostümen und einer spektakulären (Dreh-)Bühne, die sämtliche Stückeln spielte, fand ich besonders das Orchester und die Hauptdarstellerin fabelhaft – sie spielte ihren Konterpart beinahe an die Wand, wie sie so lebhaft, vor Energie sprühend, Leidenschaft in ihre Rolle legte. Die Kostüme und Perücken, die wir zuvor schon aus nächster Nähe bewundern könnten, sahen auch aus der Ferne magisch und imposant aus.

 

 

Träume groß summend verließen wir zwei Stunden später glücklich das Theater, um uns was zu essen zu suchen, nur um festzustellen, dass unsere Lieblingslokale gegen 23:00 Uhr auch in der Großstadt schon zumachen.  Im Restaurant mit den zwei goldenen Bögen bekamen wir dann noch etwas zwischen die Beißerchen und fielen anschließend todmüde in unser Bett.

Nach einem ausgiebigen Frühstück (warum gibt es nicht überall Topfengolatschen am Frühstücksbuffet wie im Falkensteiner Magareten?) hasteten wir auch schon wieder zum Bahnhof, um uns Richtung Westen zu begeben. Wer es uns gleichtun möchte, sieht sich noch bis 21. Juni das Stück an – und ich versuch dann schon mal, Caro zum nächsten Musicalbesuch zu überreden…

 

schikaneder

 

Disclaimer: Ich wurde ins Musical und Hotel eingeladen.