Life

Keine Motzerei: Ich faste fiese Gedanken

Die Fastenzeit hat vor ein paar Tagen begonnen, und viele Menschen stehen schon voll motiviert in den Startlöchern: da fasten die einen Süßigkeiten, während andere vierzig Tage lang auf Alkohol verzichten – und ich? Ich finde, momentan sind meine Ernährungsgewohnheiten schon optimiert (hust bis auf Süßes hust), und trotzdem ist es angebracht, mir ein Fastenziel zu stellen.

In den letzten Monaten und Wochen habe ich mich einige Male dabei ertappt, wie ich in negative Denkmuster verfallen bin. Das Hirn ist nämlich ein faules Trumm und will die Wege gehen, die es schon kennt. Und die Wege der Gereiztheit sind bei mir wunderbar ausgepflastert.

Aber damit soll für ein paar Wochen Schluss sein. Entgegen weitläufiger Meinung ist es nämlich nicht die beste Sache, seinem Ärger und seiner Wut freien Lauf zu lassen oder keifend durch den Tag zu gehen. Ärger, und auch das Ärger-Rauslassen bringt im Inneren nämlich keine Entspannung, Glücksgefühle oder wohliges Zufriedensein. Man verkrampft seine Muskeln, verliert die Kontrolle und im Blut tanzen sämtliche Stresshormone Tango.

In meinem Blut soll es aber nicht rund gehen wie in der Geisterbahn. Ich will entspannt und fröhlich sein, und aufpassen, dass ich nicht in folgende Routinen verfalle:

 

fiese gedanken

 

Ich bin ein grantiger Autofahrer. Obwohl ich kein aggressiver, hupender oder zu nah auffahrender Autofahrer bin, bin ich doch ein extrem reizbarer Lenker und nehme anderen sofort etwas übel: etwa wenn sie zu schnell fahren. Oder zu langsam. Oder zu lange auf der Mittelspur. Und so sitze ich morgens um kurz nach 7:00 Uhr in meinem Clownauto und grummle, bevor ich überhaupt in der Arbeit angekommen bin, vor mich hin. Weil die anderen ja gar so deppert sind.

Ich bin eine Giftspritze. Liebend gerne vorverurteile ich Menschen. Denn es ist so praktisch, und überhaupt: wer so schön ist, muss eine dumme Tussi sein. Ich kommentiere die Leben der anderen auf Instagram (natürlich nicht öffentlich). Und die der Leute im Fernsehen. Und die Frisuren der Weiber auf der Straße! Menschenskinder, ich hab zu allem eine Meinung, und das ist nicht immer die netteste.

Ich nehme vieles übel. Jawohl, ich bin die Königin der Selbstgerechtigkeit. Fehler machen aus Prinzip nur die anderen, und das ständig. Sachen, die ich mache, sind voll okay und müssen mir nachgehsehen werden. Bei mir ist das schließlich ganz was anderes.

 

Eine ganz schöne Armada an Eigenschaften, die überhaupt nicht nett sind, sondern ziemlich übel. Dabei wären sie leicht abzustellen. Und genau das versuche ich diese Fastenzeit über. Ich faste fiese Gedanken. Ich faste Motzerei. Und ich teile viel mehr ernstgemeinte Komplimente aus. Versprochen.

 

 

Foto 2: Via Unsplash, Fotograf im Dateinamen